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Immer der Nase nach ...

Tief einatmen und dem Duft folgen, von Lavendel, Wald, Sommerwiese und Rosenblättern, von Zirbenzapfen und würzigen Kräutern … und schon landet man in Obermillstatt bei Karin Schlieber. In ihrer Kräuterstube oder im riesigen Garten, der ständig umgebaut und umgepflanzt wird, inmitten einer sonnengrellen Farbenpracht, ausgebreitet auf Hängen und Terrassen, zwischen Lusthäuschen und Sitzgruppen. Begleitet von Bienensummen, Grillenzirpen und Vogelzwitschern, mit Ausblick auf einen spiegelnden See und gemütliche Bergkuppen. Das alles wird auch noch in Gläser gefüllt, in Säckchen verpackt, in Flaschen gekeltert, in bereits drei Büchern beschrieben. Das jüngste, „Mein Selbstversorgergarten“, wurde sogar ein Sachbuch-Bestseller. So kann sich jeder von diesem Paradies etwas mitnehmen. Für die Nase, für den Gaumen, für die Haut. Und für den eigenen Garten, denn Gärtnertipps hat Karin seit vielen Jahren gesammelt. Die kann man sich zwischen den Beeten und Hecken abschauen, oder in Workshops und Kursen, auch in Kochkursen, passend zu den Gartenthemen, unter praktischer Anleitung lernen. „Es ist einfach ein Glücksgefühl, wenn man selbst etwas geschafft hat. Vom Samenkauf bis zur fertigen Kräutersalbe, zur Erdbeermarmelade.“
Obsternte mit Frau Schlieber
In der Kräuter- und Gemüseschaugärtnerei Schlieber in Obermillstatt gibt es die Möglichkeit Permakultur auf einem 1 Hektar großen Areal zu besichtigen.

Genau so hat sich Karin Schlieber ihr Leben erträumt. Sie hat immer gegärtnert, schon als Kind buddelte sie mit Begeisterung in der Erde herum und freute sich, wenn Pflanzen größer und Früchte süßer wurden. „Ich brauche Erde, Schlamm, wenn man ordentlich geschwitzt hat, wenn einem alles weh tut. Da weiß man, man hat etwas geleistet.“ Als Lehrerin fand sie dann auch Zeit für eine kleine Landwirtschaft, ihr Mann Ditmar bot Gartenservice in der Umgebung an, und Sohn Dietmar wurde ebenfalls vom „Gärtner-Virus“ angesteckt. Auch dessen Frau Anja passt perfekt in die Familie, geht Karin heute beim Einwecken, Einlegen, Trocknen und allen Verarbeitungen der Gartenprodukte zur Hand: Der perfekte, eingearbeitete Familienbetrieb. Täglich läutet um fünf Uhr früh der Radiowecker, um sechs beginnt das Tagwerk. Und abends dann, zur Entspannung nach einem langen, arbeitsreichen Tag, freut sich Karin auf ihren Kräutertee.

Karin ist überzeugte Permakultur-Gärtnerin. „Das ist ganz selbstverständlich, wenn man mit der Natur arbeitet, was bedeutet, dass man ihr in geordneten Bahnen möglichst freien Lauf lässt.“ Dazu muss man sehr genau beobachten, was wo und in welcher Nachbarschaft angebaut wird, welche Pflanzen einander gut tun, welche sich an bestimmten Plätzen besonders wohl fühlen, wie man Schädlinge ohne Gift fernhält. Das braucht viel Erfahrung, die man erst einmal sammeln muss. Was leider auch bedeuten kann, dass im kalten Wind Obstbäume in exponierten Lagen erfrieren, die Sonne flache Beete vollkommen ausdörrt oder Schnecken eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Aber Karin hat das alles heute wunderbar im Griff, was man ihrem hektargroßen Garten ansieht. „Wir geben der Natur so viel zurück, wie wir von ihr nehmen.“

Vor sechs Jahren kündigte Karin jedenfalls nach 33 Jahren ihren Job als Lehrerin und wurde zur vollberuflichen „Kräuterhexe“. Seither gibt es die Kräuterstube Schlieber in Ergänzung zum Kräuter- und Gemüseschaugarten hoch über dem Millstätter See. Mit einer 2000m² großen Halle für den Pflanzennachwuchs und gegen die kalte Jahreszeit. Ein Paradies mit weit über tausend verschiedenen Blumen, Kräutern, Beeren und Früchten, in dem sich auch die Bienen mit Bienenstöcken und Bienentränke wohlfühlen. Und die Schmetterlinge auf ungestörten Blumenwiesen und eigenen Schmetterlingsfutterpflanzen; wie auch die Wildtiere aus dem nahen Wald, für die Totholzhaufen und Rückzugsflächen belassen wurden.

Doch nicht nur ihren Garten verarbeitet sie, sie lässt sich auch vom „Wurzelsepp“ Wildkräuter bringen, oder holt sich auf ihrem Waldgrundstück Zutaten für allerlei Öle und Essige, für Salben und Gewürze. „Auch viel von der Wiese, eine Handvoll da, eine Handvoll dort. Das kann bei Vielem helfen, wie ja auch Lebensmittel Heilmittel sein können.“

Karin Schlieber sammelt seit vielen Jahren Rezepte, die auch oft per Post kommen. Sie nennt das ihr „Entwicklungsbuch“. Dafür probiert sie dann aus, verändert, erfindet neu. „Für meinen Thymian-Sirup kommen die Leute von weit her.“ 120 Sorten Marmelade hat sie schon eingekocht. Auch Brot wird hier gebacken. Ein Geheimtipp ist der Schabziegerklee, den sie in manches Brot und in Vintschkerln tut. „Bei uns wird auch kaum etwas weggeworfen, Kerne, Schalen, Blätter, alles kann man sinnvoll verwerten.“ Wie auch Erdwärme. Selbstverständlich wird auch die Sonne mit Photovoltaik angezapft. Und die Wolken für Regenwasser, das sie zum Bewässern in Zisternen sammelt.

Im Sommer feiert man ein Lavendelfest, das sie ganz impulsiv ins Leben gerufen hat. Und das ganze Jahr über gibt es Schwerpunkte, zum Beispiel die Hauswurz, aus der man im Sommer einen Balsam gegen Sonnenbrand und Mückenstich herstellen kann. Oder die Zirbe. Oder Weihnachtsbäckerei wie anno dazumal. Oder eine Holzskulpturenausstellung. Dazu fällt ihr auch ihr großes Vorbild Mahatma Ghandi ein: „Sei Du die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst.“ Ein Besuch bei der „Kräuterhexe“ verändert jedenfalls sicher die Sinne, was man gut an den Besuchern der Kräuterstube beobachten kann, die beim Eintreten „Ahhh!“ machen. Und dann auch noch „Ohhh!“. Und die lächelnd fortgehen und häufig wiederkommen.

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